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Die Geschichte des Streichersaales

 

Keine andere Gemeinde hat die Möglichkeit, ihre Gottesdienste in einem Konzertsaal zu halten, der noch dazu eine lange und bedeutende Historie hat. Andreas Streicher, weltberühmter Pianist und Klavierfabrikant, gründete 1794 in der Ungargasse 27 eine der größten und europaweit geschätzten Klavierfabriken mit einem angeschlossenen Konzertsaal. Andreas Streicher erkannte früh die außerordentliche Begabung Beethovens, die auch bald zu einer tiefen Freundschaft zwischen den beiden Männern führte. Beethoven ist es zu verdanken, dass die Streicher Flügel die ersten waren, die der vollen heutigen Tonfülle des Klaviers am nächsten kamen.

Im Laufe der Jahre fand Streicher immer weniger Zeit zum Unterrichten und Komponieren und verlagerte seine Arbeit mehr in den Bereich der Pianoforte-Fabrik. Wegen Beethovens Schwerhörigkeit machte Streicher Vorschläge für die klangliche Verstärkung der Instrumente. Die stets verbesserten und weiterentwickelten Instrumente der Firma Streicher fanden Eingang in viele Häuser; neben Beethoven besaßen auch Johann Wolfgang von Goethe, Clara Schumann und Johannes Brahms ein Streichersches Hammerklavier. Mehr als ein Jahrhundert, nämlich bis zur Schließung der Fabrik im Jahre 1896, war die Klavierbauerdynastie an vorderster Front bei der Weiterentwicklung von Hammerflügeln tätig. Der ehemalige Hofkapellmeister Friedrich des Großen rühmt in seinen vertraulichen Briefen aus den Jahren 1808, dass in jenen Streicherschen Matineen auch häufig die neuesten Klavier- und Kammermusikwerke Beethovens zur Uraufführung kamen.

Es konzertierten im Streichersaal auch Brahms und Julius v. Beliczay. Zur Eröffnung des 1812 neu erbauten großen Konzertsaals Streichers fand im April des Jahres ein Benefizkonzert unter Anwesenheit von Erzherzog Rudolph statt. Nach dem Tod des Gründers der Firma gingen die Klavierfarbrik und der Salon Streicher auf dessen Sohn Johann Baptist Streicher über und dessen Name bedeutet wohl die Glanzzeit des Hauses Streicher im Wiener Musikleben. Sein Sohn Emil übernahm die Fabrik und übertrug sie im Jahre 1885 an die Gebrüder Stingl, die die Fabrikation in den Vordergrund stellten. Noch heute steht ein Stingel-Piano im Gottesdienstraum, auf dem regelmäßig musiziert wird. 2009 fand durch ein Konzert mit einem Streichtrio der Wiener Philharmoniker der Auftakt für eine Konzertreihe statt, immer wieder treten in den Räumlichkeiten der Gemeinde Wien-Landstrasse verschiedene Künstler auf, die besonders die hervorragende Akustik des ehemaligen Streichersaals schätzen.

 

Der Saal in der Ungargasse 27 steht auch heute noch unter Denkmalschutz.

 

Die Gemeinde Wien-Landstrasse wurde im November 1935 gegründet und seit dem einige Male renoviert - die Umbauten waren aufgrund des historischen Streichersaales immer mit baulichen Auflagen des Denkmalschutzamtes verbunden. Bei der ersten Renovierung in den 50er Jahren wurde hinter dem Altar ein Vorhang aufgezogen und neue Leuchten installiert.

 

 

 

 

Beim Umbau 1972 wurde der Vorhang hinter dem Altar durch eine Holzvertäfelung ersetzt, der Altar in die Mitte gerückt und die Spiegel an der rechten Seite des Saales durch Glas ersetzt.

 

 

 

 

 

 

 

Das optische Erscheinungsbild der Gemeinde hat sich beim Umbau im Jahre 1992 stark verändert. Die alten Kinosessel wurden durch gepolsterte, bequeme Stühle ersetzt, die Sesselreihen um 90° gedreht und im Halbkreis um den Altar platziert. Der Altar wurde von der Vorderfront des Saales mittig an die rechte Seite versetzt. Duch die Anordnung der Sessel um den Altar, entsteht eine fühlbare Nähe zum "Mittelpunkt" und schafft dadurch eine besondere Atmosphäre.